Langstreckenrekorde bei den Human Powered Boats (HPB) // 24-Stunden Rennen: Paddel versus Propeller // Showdown: Carter gegen Greg

Der Zweikampf war an einer Litfaßsäule im Netz in großen Lettern angekündigt worden, das Kräftemessen sollte im September 2013 auf dem Whitefish Lake in Montana stattfinden.

Die eigens für den Showdown eingerichtete Webseite pedalvspaddle.com/ warb um Spenden für eine medizinische Stiftung, die Sponsoren sollten im Gegenzug einen exklusiven Zugang zur Live-Berichterstattung bekommen.

 

 

24 Stunden-Rennen:

Paddel versus Propeller

 Showdown: Carter gegen Greg

 

Stand: 21.01.2014

 

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Facebook-Portraits von John Carter (links) und  Greg Kolodziejzyk (rechts)

 

Die Gladiatoren und die Herausforderung – Wer bewältigt die größte Strecke auf dem Wasser in 24 Stunden?

Der US-Kajaksportler Carter Johnson hatte 2006 in einem Kajak in 24 Stunden die Langstrecke von 241 km bewältigt und sich damit einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde gesichert.

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Foto: Carter Johnson mit Rennkajak "Huki Surfski"

Greg Kolodziejzyk aus Kanada hatte diesen Rekord 2008 mit einem propellergetriebenen Trimaran um 3 km überboten. Daneben hat der Langstrecken-Athlet Greg auch in anderen Disziplinen Bestmarken gesetzt. 2006 hatte Greg mit seiner Eigenkonstruktion „Critical Power“ mit 1041 km einen neuen 24-Stunden Rekord für HPV-Landfahrzeuge aufgestellt. Der Rekord hielt 3 Jahre – bis er von Christian von Ascheberg um 28 km überboten wurde (siehe: http://www.ihpva.org/).

Daneben ist Greg in der Szene der Ultramarathons und Triathlons erfolgreich unterwegs, stets auf der Suche nach neuen „Abenteuern“ – welche Greg dann auf  seiner Homepage beschreibt und illustriert (siehe: adventuresofgreg.com/ :-).

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Foto: Greg Kolodziejzyk mit seinem Trimaran "Critical Power"

Greg’s Trimaran trägt denselben Namen wie sein Velomobil: „Critical Power“ ist eine Konstruktion des Australiers Rick Willoughby – er ist einer der aktivsten und besten Konstrukteure und Bootsbauer der HPB-Szene. In einem evolutionären Prozess hat er inzwischen eine ganze Flotte hocheffizienter, pedalgetriebener Rennboote entworfen und gebaut (Homepage: rickwill.bigpondhosting.com/). Er hat auch die hochseetaugliche „Within“ konstruiert, mit der Greg das Abenteuer einer  Pazifikquerung von Kanada nach Hawaii bestehen wollte (siehe:  pedaltheocean.com/). Diese Expedition hat Greg 2010 schließlich abgesagt, weil er sich die mentale Belastung schließlich doch nicht zugetraut hat. Der   pedal- und propellergetriebene Prototyp steht seither für 84.000 Kanadische Dollar (ca. 56.400 Euro) zum Verkauf.

Showdown auf dem Whitefish Lake (Montana, USA) im Oktober 2013

Der Wettstreit war eigentlich für Ende September geplant, ein Team von Helfern war rekrutiert und in Bereitschaft. Carter und seine Freundin Kristin waren nach Montana angereist, zusammen mit Greg und seiner Frau Helen verbrachten die vier ein schönes Wochenende – wie langjährige Freunde. Am Samstag zauberte Helen ein leckeres Gericht und man genoss den gemeinsamen Abend am großen Esstisch bei Greg & Helen.     

Worum sollte es in diesem Zweikampf gehen?
Zum einen wollten beide jeweils ihren eigenen Rekord noch einmal verbessern, zum anderen sollte, wie bei jedem Rennen, der Beste, der ultimative Sieger ermittelt werden: Greg oder Carter - Pedal oder Paddel
(Tablet, Smartphone in der Hand, wer ist der Schnellste im ganzen Land? :-)

Allein – das Wetter spielte nicht mit. Der große Zweikampf musste verschoben werden. Und weitere Vorboten des kanadischen Winters nahmen Kurs auf die  kanadisch-amerikanische Grenze und auf Whitefish Lake. Auch die Verfügbarkeit der freiwilligen Helfer wurde knapper.  

Am Morgen des 2. Oktober waren die Kajaks auf Carter’s Autodachträger mit Schnee bedeckt. Greg und Carter entschieden sich nach Auswertung der Wetterkarten für einen neuen Anlauf am Freitag, den 4. Oktober. Und sie verständigten sich darauf, den Wettkampf von 24 Stunden auf 12 Stunden zu verkürzen und als Wettkampf nach den Regeln des IHPV auszutragen.

Alles weitere – vor allem der Ausgang des Wettrennens – ist nur dürftig überliefert. Den kurzen Schlagzeilen des Blogs auf der Seite pedalvspaddle.com/  kann man entnehmen, dass der Wind zulegte und die Wellen höher wurden. Damit hatte Greg mit dem Trimaran offensichtlich mehr zu kämpfen als Carter. Ständig wurde einer der beiden Außenschwimmer von einer Welle überspült und gebremst, vor allem auf dem jeweils 5 km langen Schenkel gegen Wind und Wellen. Carter gewann in seinem schlanken Huki Surfski deutlich an Boden. Auf dem Rückenwindkurs war Carter noch mehr im Vorteil, teilweise konnte er auf den Wellen surfen. Carter fragte Greg über  Funk, ob er durch das Wellenreiten nicht einen unfairen Vorteil habe. Greg versicherte, das sei ok, und plädierte für eine Fortsetzung des Rennens.

Nun, beide haben wohl die 12 Stunden durchgehalten. Greg rammte gegen Ende des Wettkampfs einen unter der Wasseroberfläche treibenden Holzklotz. Dabei brach ein Blatt des Edelstahl-Propellers.  Die letzte Etappe musste Greg also mit  einem halben Propeller bewältigen.

Da ich die Endresultate des Rennens trotz eifriger Suche auf den Webseiten nicht finden konnte, habe ich bei Greg nachgefragt.
Seine Antwort: „Hi Clem! Ich muss meine Aufzeichnungen der Strecken noch auswerten. Das Rennen lief nicht so gut – wegen des schlechten Wetters und der ungünstigen Wasserbedingungen. Ich erinnere mich, dass mein Durchschnitt bei 11 Stundenkilometern lag, als der Propeller brach.“

Offensichtlich haben beide ihre eigenen älteren Rekordmarken nicht erreicht. Und Greg hat sich bezüglich der Resultate auch nicht mehr gemeldet. Ist ja eigentlich auch nicht von Interesse, wenn keine Rekorde geknackt wurden.

 

Die Rekorde purzeln

Das Magazin Canoe & Kayak berichtet in seiner Ausgabe vom 5. September 2013, dass Brandon Nelson im zurückliegenden Sommer einen neuen 24-Stunden Rekord mit dem Kajak erzielt hat (siehe: canoekayak.com/industry-news/new-24-hour-world-record-151-87-miles/).

Der 41-jährige Kanute war früher mal Profispieler im Basketball-Team von Michigan, bis 2006 hat er mehrere Ultra-Marathons bewältigt.

Vom 21. auf den 22. August 2013 legte Brandon Nelson auf dem Lake Padden (nahe Seattle, USA) in 24 Stunden eine Distanz von 151,32 Meilen / 243,49 km zurück. Damit überbot er den bisherigen Rekord von Carter Johnson (241,95 km) aus dem Jahr 2006 um ca. 1,5 km – neuer Weltrekord im Kajak!
(siehe auch: http://www.adventuresnw.com/a-promise-kept-a-record-broken-2/) Der Rekord sollte jedoch nur 3 Monate Bestand haben. 

Schlag auf Schlag

Auf der Facebook-Seite von Carter Johnson findet sich ein Eintrag vom 10. November 2013 über seine aktuelle Rekordfahrt über 24 Stunden.
Er hatte als Austragungsort das Hafengebiet von Huntington im Süden von San Francisco gewählt. Nach 24 Stunden zeigte sein GPS eine Gesamtstrecke von 156 Meilen / 251 km an.  Wobei Carter davon ausgeht, dass die offiziellen Rekordwächter wie beim letzten Mal noch 1 bis 2 Meilen davon abziehen könnten
(Er schreibt, er musste auf dem Rundkurs an einigen Stellen etwas weiter außen fahren, um nicht mit den Bootsstegen und den teuren Yachten zu kollidieren).

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Foto: San Francisco, Rundkurs Huntington Harbour und GPS-Anzeige

Die Kommentare auf Carter’s  Facebook-Seite von Brandon Nelson und Greg verleihen der Rekordmeldung durchaus Glaubwürdigkeit.
Am 12. November gratulierte Greg: „Hey, du hast meinen 152 Meilen-Rekord geschlagen! Und ich bin echt glücklich für dich!“
Carter erwiderte: “Wir beide wissen, dass wir in Montana gleich schnell waren. Das Wechseln der Boote während des Rennens ist erlaubt. Nimm für die 1. Stunde ein Tragflächenboot  und kurble ein irres Tempo raus -  und fahre die anderen 23 Stunden dann mit Critical Power – tu es!“ Und er bietet an: „Ich helfe dir ganz sicher dabei.“

Einen Tag darauf zollte auch Brandon Nelson Anerkennung: „Herzlichen Glückwunsch, Carter!“

Ich habe bei Carter am 17. Januar nachgefragt, ob es schon eine offizielle Bestätigung seines Rekords gibt.
Er teilte mit: „Noch nicht. Drück mir die Daumen. .. Ich habe die Unterlagen letzte Woche endlich eingereicht und rechne erst in einigen Monaten mit einer Rückmeldung."

Wem gehört die Zukunft – dem Paddel oder den Pedalen?  

Rick schrieb im September 2008 in der Mailing-Liste Human Powered Boats:
„Die Auseinandersetzung zwischen Paddel und Pedalen wird weitergehen … zugunsten der Pedaleure. Der aktuelle Entwicklungsstand der pedalgetriebenen Boote bietet noch erhebliches Verbesserungspotential, und ich schätze es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Potential weiter erschlossen wird.“

Aus den diversen Berichten geht hervor, dass Greg die Rekorde mit einer Dauerleistung von ca. 130 Watt erzielt hat.

In einer anderen Zusammenstellung von Leistungsdaten im Netz wird für das Langstreckenrennen RAAM (Race Across America) eine Dauerleistung bis 200 Watt veranschlagt, das aerobe Limit des Radprofis Indurain soll gar bei 550 Watt liegen – siehe: http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Die-menschliche-Leistung-in-Watt-der-entsprechende-Energieverbrauch/Radsport/.
Diese Zahlen lassen vermuten, dass auch im Modul Mensch noch einige Reserven für künftige Rekorde mit Human Powered Boats schlummern.

Clemens Winter