Human Powered Vehicles e.V.

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Pakistan: Kleines Karakorum-Tagebuch

Teilnehmer:

Qadir, unser Busfahrer
Martina, unser moralischer Beistand
Harry, der beweist, daß ein Rennrad auch auf Schotter fahren kann

Arrangement:
Ein gemieteter Bus fährt uns die ersten etwa 300 Kilometer. Dadurch sparen wir ungefähr 150 Kilometer in einem für Radfahrer mörderischen Verkehr und eineinhalb Tagesetappen in Kohistan, wo wir auf unserer ersten Tour vor zwei Jahren mit Steinen beworfen wurden und wo andere Radler noch ganz andere Erfahrungen gemacht haben.
Während der Radtour begleitet uns der Bus mit Gepäck, Proviant (nicht sehr viel) und Getränken (schon etwas mehr: 90 Liter Wasser, 90 Liter Cola und 10 Liter Milch), mit Ersatzfahrrädern, Ersatzfelgen, Reifen, Werkzeug.

Samstag, 5. Mai

Pünktlich zur Abfahrt habe ich Durchfall - nachdem jetzt ein Jahr lang relative Ruhe war. Habe ich mir wahrscheinlich gestern abend beim Grillen zugezogen. Sch...spiel. Trotzdem kommen wir pünktlich los. Die kalkulierte Fahrzeit von 8 Stunden bis zum Ausgangspunkt der eigentlichen Radtour wird leicht unterschritten. 50 Kilometer vor dem Ziel, einem Motel mitten im Nirgendwo, steigen Harry und ich aufs Fahrrad um - schon mal aufwärmen für morgen.
Highlight für mich ist die Fahrt durch eine unendliche Ziegenherde. Ernüchterung für Harry ist - so schlecht hätte er sich die Straße nicht vorgestellt. Ein kleines Teufelchen flüstert "Mountainbike", das er zuhause gelassen hat, und er beneidet mich um meine vollgefederte Sitzgelegenheit.

Sonntag, 6. Mai

Abfahrt um sieben. Die Strecke führt den ganzen Tag durch Kohistan - diese leicht berüchtigte Gegend, in der Radfahrer gerne mit Steinen beworfen, mit Steinschleudern beschossen oder bei einer Ortsdurchfahrt schlicht vom Fahrrad gezerrt werden. Bei meiner ersten Tour vor zwei Jahren ging auf dieser Etappe alles glatt - aber da war auch Dauerregen und niemand auf der Straße.
Es geht auch diesmal alles glatt. Es sind nur zwei Orte am Weg. Die Durchquerung ist unangenehm genug. Wenn wir kommen, ist schweigendes Gaffen - bis der Erste reagiert. Wenn er lacht, lacht der ganze Ort, wenn er heult, heult der ganze Ort, wenn er brüllt, brüllt der ganze Ort - angenehm ist anders. Aber wir sind immer dankbar, wenn der besagte Erste nicht mit Steinen schmeißt.
Bald wird es heiß. Und noch heißer. Und immer noch heißer. War das schön mit dem Regen vor zwei Jahren...
Harry hat einen Platten. Bevor er den Reifen wechseln kann, muß die Felge im klimatisierten Bus ein wenig abkühlen - sie ist zu heiß zum anfassen. Bevor Harry wieder aufpumpen kann, muß die Pumpe im Bus ein wenig abkühlen - sie ist zu heiß. Ich kippe mir aus meiner Wasserflasche einen Schwall über den Kopf - es ist heißer als Duschwasser. Mein Pulsmesser flüstert bergauf von "170" und mehr, obwohl ich ganz bestimmt nicht schnell fahre. Gegenwind zerrt an den Nerven, aber er kühlt wenigstens - bei Rückenwind schmoren wir im eigenen Saft.
Barseen - Chilas in mehr als neun Stunden für 117 Kilometer, eine rechte Viecherei. Aber eine schöne Landschaft, fast nur Wüste, kaum grüne Fleckchen, graubraune Berge beidseits, und wie zum Hohn zwischendurch der Blick auf schneebedeckte Gipfel, zum Greifen nah, und wir braten.

Montag, 7. Mai

Abfahrt um halb acht zur längsten Etappe, Chilas - Gilgit. Dazwischen gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit, also muß man durch. Harry steigt ab km 15 in den Bus.
Gegenwind, es wird heiß, es gibt lange Steigungen. Nach 55 Kilometern geht die Straße über den Indus, ab dann geht es 15 Kilometer lang fast nur bergauf, bis zum Nanga-Parbat-Blick in Talechi.
Nanga Parbat, der "Killer Mountain", weil so viele Expeditionen tödlich endeten, über 8000 Meter hoch, ist (wieder mal) nur zu ahnen zwischen den Wolken. Ich bin jetzt das fünfte Mal an dieser Stelle und habe ihn noch nie frei gesehen.
Die Straße ist auf diesem Stück teilweise in den Felsen gefräst. Das Rauschen des Indus wird von den Felsen über mir reflektiert und klingt wie Sturm. Es ist nicht ganz so heiß wie gestern, aber immer noch weit über der Wohlfühlgrenze. Wasser- und Colakonsum während der gesamten Strecke: 7,5 Liter. Magenzwicken und Durchfalldrücken erleichtern die Geschichte auch nicht gerade.
Immerhin, Kohistan ist geschafft, die Leute sind nicht mehr aggressiv. Wir kommen ins "One-Pen-Land": jedes Kind, das uns sieht, ruft automatisch "one pen". Ich habe sehr den Eindruck, daß viele gar nicht wissen, was das bedeutet - es ist eine gelernte Automatikreaktion. Genau wie die Halbstarken, die uns ein "harrrrrju" hinterherschnarren - ob das wirklich ein "how are you" sein soll, und ob sie mit einer Antwort was anzufangen wüßten?
Mehr als neun Stunden für 138 Kilometer. Gegen Gilgit steigt die Zahl der grünen Oasen in der Wüste, und es werden mehr und mehr Schneeberge sichtbar.

Dienstag, 8. Mai

Ruhetag. Wir mieten einen Jeep und fahren ins Bagrot Valley, schräg gegenüber von Gilgit. Was wie ein tiefes Tal aussah, geht in Wirklichkeit steil nach oben, nach eineinhalb Stunden fahrt sind wir 1000 Meter höher. Am Ende der Jeepstrecke geht ein Ziegenpfad weiter, hoch über dem Bach. Auf der anderen Seite kommt ein Gletscher vom Rakaposhi herunter bis ins Bachbett - nicht weiß, wie man sich das immer so vorstellt, sondern schiefergrau. Das Eis arbeitet, es knistert überall, manchmal fallen riesige Brocken in den Bach. Die beiden prominenten Berge Rakaposhi und Dira sind in Wolken. Wir gehen den Weg weiter und kommen in ein grünes Hochtal mit einer Siedlung - einfachste Steinhütten, von Mauern umgeben, alle Mauern sind mit stacheligen Büschen gesichert. Es sind kaum Menschen zu sehen. Auf dem Rückweg gibt es kurzen, aber heftigen Regen und einen Sandsturm, der das ganze Gilgit- Tal in Dunst hüllt. Wegen des Sturms können wir auch nicht mehr über die Schwingbrücke fahren, sondern müssen kilometerweit zur nächsten Steinbrücke fahren.

Mittwoch, 9. Mai

Abfahrt um halb acht zur zweitschönsten Etappe nach Hunza. Spürbarer Gegenwind, aber eine tolle Landschaft. Bei km 25 Rückblick auf den völlig freien Nanga Parbat - warum war der gestern nicht so frei? Bei km 55 erstmalig direkter Blick auf den Rakaposhi - ein weißer Koloß, 7.790 Meter hoch, über einer nackten graubraunen Felslandschaft. 16 Kilometer weiter ist eine Sammung kleiner Restaurants mit direktem Blick auf einen der Gletscher. Hier halten alle - alle Reisegruppen, alle Radler. Wetterumschwung - es bewölkt sich unglaublich schnell, es sieht nach Regen aus (kommt aber keiner, nur Sturm).
Weiterer Stopp an der Stelle, wo Granatsteine auf der Straße liegen (oder mit den Fingern aus dem Felsen am Straßenrand gepuhlt werden können). Typisch: wir halten in völliger Menschenleere und sind nach Minuten umringt von Kindern, die uns ebensolche Granatsteine verkaufen wollen - oder auch eintauschen, zum Beispiel gegen ein Liegerad. Auch einen grünen Tourmalin bieten sie an (oder ist es doch nur ein Stück Glas???) - in aller Großzügigkeit lassen sie uns die Wahl: entweder zehn Dollar oder Tausch gegen das Fahrrad, oder ob sie mal durch den Bus schauen dürfen, was sonst noch zu tauschen wäre? Da haben sie aber die Rechnung ohne unseren Fahrer gemacht, und vorbei ist der Handel. 103 Kilometer in acht Stunden.

Donnerstag, 10. Mai

Ruhetag. Wir mieten uns einen Jeep. Besichtigung des Baltit Fort, das bis 1940 Wohnsitz des Mir (König) von Hunza war. Besichtigung des 900 Jahre alten Altit Fort fällt aus, das ist wegen Renovierung gesperrt. Dann mit dem Jeep zum Eagle's Nest, die Touri- Bezeichnung des Örtchens Duikar, auf einem Absatz in fast 3000 Metern Höhe über Hunza gelegen. Von dort wollen wir einen kleinen 35- Minuten- Spaziergang zu einem weiteren Aussichtspunkt machen. Martina kehrt um, Harry und ich wollen, einmal oben, noch um die nächste Ecke schauen, dann vielleicht noch um die übernächste - irgendwann muß der große Ausblick doch kommen! - dann aber wirklich nur noch um eine. Nach zwei Stunden sind wir über 3500 Meter hoch und haben den schönsten Ausblick, den man sich nur denken kann. Nach vorne das Hunza- Tal mit Rakaposhi und Dira, links entfernt der Hopar- Gletscher, nach hinten Ultar Peak samt Gletscher.
Auf dem Abstieg kommt uns der Jeep-Fahrer entgegen, weil er sich Sorgen gemacht hat, und Martina ist zum Glück nicht böse. Der typische Ruhetag war das wohl nicht, aber auf jeden Fall eine gute Vorbereitung auf die Höhe.
Und ein Lehrstück in Sachen Dimension: mehr als 3.500 Meter hoch, das Tal ist schon fast wie aus einem Flugzeug zu sehen, wir kommen uns so richtig "hoch" vor - und wenn wir nachher von unten schauen, wo wir waren, hatten wir nicht mal die Hälfte der eigentlichen Berghöhe. 3500 Meter hoch, und der Ultar Peak direkt nebenan ist nochmal netto mehr als dreieinhalb Kilometer höher...

Freitag, 11. Mai

Abfahrt um sieben zur schönsten Etappe. Endlich nur noch warm und nicht mehr heiß, außerdem haben wir oft Rückenwind. Die Straße geht an mehreren Gletschern vorbei, einer endet vielleicht in 50 Metern Entfernung, auf der Brücke über dem Gletscherwasser ist es schlagartig eisig kalt. Eine japanische Reisegruppe steigt aus dem Bus und fotografiert - nein, nicht den Gletscher, sondern uns.
Meine Lieblingslandschaft ist das Tal von Passu - eine runde Ebene, umgeben von recht bunten kegelförmigen Bergen.
Hunza - Sust, 94 Kilometer in sechseinhalb Stunden, da bleibt noch Zeit für einen Jeep- Ausflug nach Misgar. Die Anfahrt geht durch ockerfarbene Berge hoch über einer Schlucht, der Rückenwind treibt Wolken von Staub in den offenen Jeep. Plötzlich eine unglaublich große knallgrüne Oase inmitten der Wüste - noch nie habe ich eine so große und so grüne Oase in diesen Bergen gesehen. Gut, bei dem Grün hilft das Gegenlicht, aber trotzdem...

Samstag, 12. Mai

Abfahrt um sieben auf den Khunjerab- Pass. Die Etappe, vor der wir (wie schon vor zwei Jahren) gewarnt wurden: viel zu gefährlich, Steinschlag allenthalben. Vor zwei Jahren habe ich die Steine fliegen sehen und surren hören, aber damals hatten wir in der Nacht zuvor auch ein Erdbeben.
Gleich zu Beginn ein als "very dangerous" ausgeschilderter Erdrutsch. Sieht tatsächlich sehr labil aus, und die Straße ist nur noch ein einspuriger Feldweg. Nichts kommt runter. Später die Stelle, wo vor zwei Jahren die Steine kamen - die Straße ist immer noch ein Feldweg, aber alles bleibt ruhig. Na prima. Die Auffahrt ist ohne Probleme, kein Schneesturm wie vor zwei Jahren, kein Schnee auf der Fahrbahn, die Steigung ist moderat und konstant - wenn man keine Probleme mit der Höhenluft bekommt, ist es ein einfacher Paß. Und wenn er nicht so hoch wäre - landschaftlich ist er kein "Muß", da gibt es erheblich schönere Pässe. Aber der "höchste asphaltierte Paß der Welt" ist doch eine Fahrt wert?
Auf dem Rückweg haben wir extremen Gegenwind, fast Sturm. Jetzt sieht es plötzlich anders aus mit dem Steinschlag - ein fußballgroßer Brocken schlägt links von mir auf, die Splitter pfeifen in Hüfthöhe hinter mir vorbei. Bei den "very dangerous landslide" ist ein permanentes Rieseln, tennisballgroße Steine hüpfen munter durcheinander. Ich presche ohne Rücksicht auf Reifen und Felgen über die Holperstrecke. Kurz vor Sust kriege ich noch eine Ladung Sand ins Gesicht - bin ich froh um meine neue Fahrradbrille...
177 Kilometer in elf Stunden. Und wie hoch ist nun der olle Pass? Am häufigsten liest man 4.730 Meter, eine einheimische Karte nennt mehr als 4.900 Meter (deshalb habe ich sie auch gekauft), neidische Toyota- Fahrer unter meinen Kollegen schwören, ihr eingebauter Höhenmesser habe nur knapp 4.000 gezeigt.

Sonntag, 13. Mai

Sust - Hunza. Harry hat sich erkältet, also fahre ich allein (er mußte auch unbedingt so vom Paß runterfahren, wie er hochgekommen ist, kurzärmelig, kurzhosig, durchgeschwitzt. Kam ich mir richtig eskimo-mäßig vor im Vergleich - trockenes Unterhemd, langes Trikot, lange Hose, Windstopper-Jacke, Mütze unter dem Helm...)
Traumhafte Strecke, traumhaftes Wetter, fast nur Rückenwind.
Kinder, die mit purer Selbstverständlichkeit ins Bild laufen, als ich eine Landschaft fotografieren will, und hinterher nicht "one pen" verlangen, sondern "some gift".
Stopp bei meiner Lieblings- Hängebrücke, über die ich doch immer schon mal laufen wollte. Vielleicht 200 Meter lang, frei schwebend an Stahlseilen, oben zwei zum Festhalten, unten zwei, über die im Meterabstand Bretter (oder auch nur dicke Äste) gelegt sind zum Drauftreten. Der Blick auf den schnellfließenden Fluß macht einen ganz kirre, es sieht so aus, als sei die Brücke selbst in schneller Bewegung, irgendwann glaubt man die Bewegung auch zu spüren. Mir hilft nur ein regelmäßiger Blick ans feste Ufer.
Zwei Schweizer, die mit voller Ausrüstung gen China unterwegs sind - zwei Taschen vorne, zwei hinten, Zelt obendrauf, und so sind sie offroad von Chitral nach Gilgit gefahren......
Der Rückweg geht doch schneller als der Hinweg: dieselben 94 Kilometer in fünfeinhalb Stunden, eine Stunde schneller.

Montag, 14. Mai

Ruhetag. Vormittags mit dem Jeep zum Hopar- Gletscher, leider alles bewölkt. Ein ungebetener Führer drängt sich auf, hat aber den unbezahlbaren Vorteil, die Schar ungebetener Halbstarker zurückschicken zu können, die uns auf Tuchfühlung begleiten und die wir aus eigener Kraft nicht losgeworden wären. Steiler rutschiger Abstieg zum Gletscher. Ohne Sonne wird es lausig kalt, Regen auf dem Rückweg.
Nachmittags mit dem Jeep ins Sumayar Nala, das Tal direkt gegenüber von Karimabad. Extrem schwierige Jeep- Piste, gerade frisch gebaut und noch nicht ganz fertig. Zwischendurch müssen wir einen Graben mit Steinen auffüllen, damit der Jeep weiterkommt. Eigentlich aber nur interessant, wenn man vom Endpunkt der Piste dann wandern gehen will. Aber ich wollte das Tal schon immer mal sehen...

Dienstag, 15. Mai

Wir sind gewarnt - heute betrauern die Schiiten den Tod ihres Propheten, da könnte die Straße an manchen Stellen gesperrt sein von Prozessionen von Männern, die sich den Rücken blutig schlagen. Also Abfahrt schon um sechs, der Bus fährt durch bis hinter den letzten schiitischen Ort.
Die Fahrt läuft gut, fast nur Rückenwind, wir wollen gerade aufatmen, daß wir keine Prozession gesehen haben , da kommt schon eine. Wir kommen aber gut durch. Immer wieder sind Gruppen bewaffneter Polizisten unterwegs, die Klänge aus den Moscheen tönen nicht gerade beruhigend. Als wir wirklich glauben, alles hinter uns zu haben, ist die Straße doch zu - eine Horde halbnackter Jugendlicher mit schon blutigen Rücken. Unser Bus bleibt einige Minuten stecken, mit dem Liegerad habe ich es einfacher: das Tretlager zielt genau auf den Bauchnabel, also suche ich mir einen aus , schaue ihn fest an und fahre darauf zu - und richtig, er macht Platz. Hat doch neulich in Indien auch schon so geklappt...
Schon um elf Uhr im Hotel, den Nachmittag vertrödeln wir auf der Veranda mit Kannen grünen Tees.

Mittwoch, 16. Mai

Heute ist mir noch übler als sonst. Das Frühstück sitzt kurz unter dem Halsansatz und möchte bei jedem Schlagloch wieder raus, der Bauch zwickt, es ist Gegenwind - ich hatte schon erheblich mehr Spaß am Radfahren als gerade jetzt. Ab ca. Kilometer 80 geht es, aber dafür wird der Gegenwind extrem: bergab, wo wir auf entspanntes Rollen mit 50 km/h gehofft hatten, müssen wir mit Kraft treten, um 15 km/h zu halten. Ohne zu treten bleiben wir stehen - bergab... Als ich einmal umdrehe für ein Foto, bläst es mich förmlich den Berg hinauf. Am liebsten würde ich nach Gilgit zurückfahren - und das ist die Strecke, auf der ich auf dem Hinweg so geschuftet habe...
Ab Kilometer 100 ist Rückenwind, da macht es wieder Spaß. Wenn nur der Magen nicht so drücken würde.
Auf dem Hinweg konnten wir uns freuen, in Richtung Hunza zu kommen: der Verkehr läßt nach, die Leute am Straßenrand fangen an zu winken statt zu brüllen, zu röhren oder was auch immer sie gerade lustig finden. Auf dem Rückweg ist der Abstieg umso deutlicher: Verkehr und Abgase werden mehr, und jede Ortsdurchfahrt wird zum Spießrutenlauf.
138 Kilometer in acht Stunden.

Donnerstag, 17. Mai

Geplant war: Ruhetag mit Jeep- Tour zu den Fußzehen des Nanga Parbat. Aber keiner hat so recht Lust darauf, also fahren wir weiter. Ich reduziere das Frühstück auf zwei Toast - die sind wenigstens nicht so penetrant, wenn sie wieder hochkommen...
Gegenwind, es wird wieder heiß und wir haben Gegenwind. Bei Kilometer 46 steigt Harry in den Bus. Für mich wird es auch mühsam - die Hitze macht mir zu schaffen, bergauf wird mir schwindelig, der Magen zwickt. Zwei Toast reichen doch nicht, also muß ich noch was essen. Es hilft, und es bleibt drin, also. Nur zwei Orte sind auf der Strecke, und der zweite - Shatial - bietet fast alles, was das Herz begehrt: statt einer Straße eine Schlamm- Steinpiste, zwei Hunde jagen mich, Fußgänger hüpfen vor das Rad, und alles, was eine Stimme hat, brüllt. Zum Abgewöhnen.
Unterwegs eine weitere Idee - wenn ich bis 14.00 Uhr am Ziel bin, könnten wir doch noch am selben Tag bis Islamabad zurückfahren? Alle sind einverstanden, also los. Eine rechte Viecherei ist die letzte Strecke, mein Magen nimmt nicht soviel Flüssigkeit wie mein Durst verlangt, und das kaffee- heiße Wasser aus der Flasche k....tzt mich an. Aber es hat geklappt, zwei Minuten vor Limit bin ich da, wir fahren bis fast Mitternacht mit dem Bus zurück und sind wieder zu Hause.

Freitag, 18. Mai

Schlapp, übel - Besuch bei unserer Ärztin. Diagnose: Amöben in Reinkultur, erst mal für drei Stunden und drei Liter an den Tropf. Viel geschlafen, wenig gegessen. Tabletten.

Samstag, 19. Mai

Bin wieder fit.

Zu meinem Fahrrad:
Street Machine GT, aktueller Kilometerstand etwas über 7.000 nach fast einem Jahr. Sie hat sich toll bewährt. Die Belastungen, wenn ich bergab mit über 40 km/h über Pisten oder durch Schlaglöcher rausche, haben alle Bauteile weggesteckt. Getauscht habe ich die serienmäßigen Reifen gegen Schwalbe Marathon HS 270 (47-406) vorne und Schwalbe Marathon XR HS 300 (50-559) hinten. Besonders hinten ist der Mantel zu groß für die Serienfelge und zu breit für das Schutzblech, aber 1.100 Kilometer unter solchen Straßenverhältnissen ohne Plattfuß sind mir die Bastelei wert. Das hintere Radlager (SRAM 9.0) knackt einmal pro Umdrehung, der Sitz knackt, sobald ich mit Belastung auf ein Pedal trete, in beiden Fällen sind mir die Ursachen rätselhaft, es gibt aber keine spürbaren Einschränkungen. Nach wie vor schwöre ich auf die Magura HS 33. Den serienmäßigen Hinterbauständer, der mit dem Schnellspanner festgeklemmt wird, halte ich für ausgemachten Schrott, ich habe ihn unterwegs weggeworfen. Den hochgelobten Ständer für den Lowrider konnte mir mein Händler noch nicht besorgen.
Fazit: ein Fahrrad zum Weiterempfehlen.